Wasserdichtheit – Wasserdichtigkeit – Wasserfestigkeit – Was denn nun?

Was bedeutet die Angabe der Wasserdichtigkeit bei Uhren?

Die Urlaubszeit steht vor der Tür, und manch einer fragt sich, ob die neue Uhr denn Baggersee, Freibad und Atlantik mitmacht. Und gerade bei der Angabe zur Wasserdichtigkeit einer Uhr wird’s gerne mal kompliziert. Deswegen hier ein schneller Ratgeber, worauf ich mit meiner Uhr achten sollte, damit diese nicht im Urlaub ungewollt zum Handgelenksaquarium wird.

Intro

Die gute alte DIN Norm – der Versuch, alles was nur möglich ist in eine messbare und bewertbare Formelsammlung für den Ingenieursgebrauch zu pressen, hat bei der Klassifizierung der Wasserdichtigkeit für Armbanduhren gnadenlos zugeschlagen. Die DIN Norm 8310 beschreibt genau, was eine Uhr mit einer Wasserdichtigkeit von bis zu 30/50/100/200 Metern aushalten muss. An dieser Stelle spare ich mir den Wortlaut, auch ich werde da nicht unbedingt schlau draus. Um es dennoch kurz zusammenzufassen: Die Angaben der Meter geben nicht an, wie tief man mit der Uhr unbeschadet tauchen kann. Da versteckt sich schon der erste Fehler, und manch einer macht mit seiner 30 Meter Uhr beim Tauchgang in Hurghada die schnelle Erkenntnis, dass auch bei 3 Metern da schon Sense sein kann. Zu was um alles in der Welt sind solche Angaben denn dann hilfreich?! Die Antwort versteckt sich hinter dem Verfahren der DIN 8310: Sie gibt den Druck an, bei welchem die Uhr über einen begrenzten Zeitraum gegen das Eindringen von Wasser geschützt ist. Der Druck kann auch in Wassertiefe (genauer genommen Höhe der Wassersäule) angegeben werden, wobei 30 Meter ungefähr 3 bar oder 3-mal dem Atmosphärendruck (3 atm) entsprechen. Wobei diese Aussage auch wieder mit Vorsicht zu genießen ist, weil wirklich wasserdicht eigentlich nichts ist. Von daher hat man sich auf einen niedrigen Wert an Wasser festgelegt, der maximal unter dem angegebenen Druck in dem Zeitraum in die Uhr eindringen darf.

Wieso kann jetzt also eine Uhr mit 30 Meter Angabe bei 10 Metern schon undicht werden? Das hängt damit zusammen, das zum einen der Zeitraum einen Unterschied macht, und zum anderen durch Bewegungen ein unterschiedlicher Druck entstehen kann. Man kann das mit dem Fahrtwind vergleichen: Wenn man beim Autofahren die Hand aus dem Fenster hält, merkt man auch einen anderen Druck als beim Spazieren gehen. Und da Wasser um einiges schwerer (oder besser gesagt dichter) ist, fällt dieser Effekt unter Wasser noch deutlicher aus. Da kann schon der Sprung vom Startblock für erhebliche Drücke an bestimmten Stellen der Uhr sorgen.

30M|3 bar|3 atm

Welche Angabe ist also für was geeignet? Grundsätzlich kann man nur grob die Bereiche abgrenzen, und es wird immer jemand schaffen, auch eine Uhr die eigentlich für den härteren Einsatz geeignet ist, schon beim Flachwasserschwimmen zu fluten. Die Angaben fangen normalerweise bei 30 Metern, also wie wir gelernt haben dem Äquivalent zu 3 bar oder 3 atm an. In der Praxis bedeutet das, dass die Uhr nur spritzwassergeschützt ist, und zum Händewaschen, Duschen, und auch zum Sport ausgezogen werden sollte. Wieso zum Sport? Die meisten Leute, zu denen ich auch zähle, schwitzen beim Sport. Damit ist die Uhr über längere Zeit einer Fuechtigkeit ausgesetzt, die nicht zu unterschätzen ist. Gerade bei der 30M/3bar/3atm Klassifizierung ist das ein Problem. Das heißt nicht unbedingt, dass dadurch die Uhr kaputt gehen muss. Aber am Ende ist es dann doch unschön, wenn das Wasser in die Uhr gelangt und dann beim Tragen das Glas von innen beschlagen lässt.

50M|5 bar|5 atm

Die nächste Stufe sind 50 Meter. Hier haben wir es schon mit einer alltagstauglicheren Klasse zu tun, die Uhr kann zum Duschen und zum Händewäschen oder für den Abwasch verwendet werden. Allerdings sollte man beim Abwasch zusehen, dass sich zum Beispiel Gummi- oder Silikonarmbänder leicht durch das Spülmittelangegriffen fühlen. Generell sollte man bei der Benutzung von Desinfektionsmitteln wie zum Beispiel im Krankenhaus vorsichtig sein, da dies die Dichtungen und Verzierteile am Gehäuse der Uhr angreifen kann. Auch der Kleber von aufgesetzten Brillanten oder Schmucksteinen löst sich damit leichter, und sorgt dann für böse Überraschungen. Am besten dagegen gewappnet sind Uhren aus Edelstahl mit Edelstahlarmband oder Keramikuhren.

100M|10 bar|10 atm

Endlich kommen wir dann mal zu den Uhren, die für Baggersee, Schwimmbad und Meer taugen. Mit 100M/10bar/10atm kann man sich dann endlich mal zum Schwimmen und Schnorcheln trauen. Vorsicht geboten ist, wer seine neue Bestzeit auf der Bahn im Freibad stoppen will: Bei Chronographen, also Uhren mit Stoppuhrfunktion, sollten die Drücker nicht verwendet werden, während die Uhr im Wasser oder noch nass ist. Das hat meistens einen sofortigen Wassereinbruch zur Folge. Von daher lieber die Uhr am Startblock hängen lassen und beim Anschlag bedienen.

200M|20 bar|20 atm

Ab den 200M/20bar/20atm sind wir im Bereich der härteren Gattung. Hiermit lässt sich Schnorcheln und gerätefreies Tauchen absolvieren, ohne das Uhrwerk zu bewässern. Diese Uhren sind meistens auch als Taucheruhren gekennzeichnet. Das erkennt meistens auch am Äußeren, da hierfür einige Teile wie die Drücker und der Einstellknopf (Krone) verschraubt werden. Das heißt, diese müssen zur Bedienung herein- oder rausgedreht werden, weil die Uhr anders nicht dicht genug wäre. Und natürlich ist es hier auch wichtig, unter Wasser nicht gerade den Knopf rauszudrehen – sonst sieht’s schlecht aus für die Uhr.

Weitere

Wie bei allen Dingen hat sich auch bei der Uhr mal jemand hingesetzt, und etwas für den Extrembereich gebaut. Deswegen gibt es durchaus Uhren, welche wie zum Beispiel die Rolex Sea Dweller Deepsea bis 3900M klassifiziert ist. Auch wenn man sich das gute Stück leisten kann, rate ich davon ab persönlich zu überprüfen, ob das gute Stück sein Versprechen hält. Auch ist fraglich, ob alle Sea Dweller im professionellen Einsatz sind. Aber die Frage, für wen solche Uhren gemacht sind, und warum eine andere Uhr nicht unbedingt schlechter ist, wird demnächst im faszinationzeit Blog beantwortet.

Vielen Dank fürs Lesen! Dieser Artikel wurde verfasst von Tom. Anmerkungen, Kommentare oder Fragen zu diesem Post? Schreibt mir an tom@faszinationzeit.de.



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