Quarzwerk vs. Automatik – was ist das Richtige für mich?

Automatikuhr von Nixon - besser als eine Quarzuhr?

Das Werk ist das Herz einer Uhr. Der Puls ist immer konstant bei 60 Schlägen pro Minute, und wenn es mal aussetzt rettet teilweise nur noch die Notoperation. Neben dem Design ist das Uhrwerk oft die wichtigste Komponente bei der Entscheidung für eine neue Uhr. Zwischen Automatik und Quarz lässt sich ungefähr genauso gut entscheiden wie zwischen Bayern München oder Borussia Dortmund. Für Eingefleischte stellt sich die Frage gar nicht erst, der Außenstehende zuckt wahrscheinlich erstmal mit den Schultern. Das war jetzt erst recht tief in die Metapherkiste gegriffen, aber ich glaube es ist jetzt klar wo die Frage hinführt.

Intro

Das mechanische Uhrwerk geht auf die Anfänge der Uhr zurück, allerdings waren die früheren Uhren mit einem Handaufzug ausgestattet. An dem Drehknopf, an dem man die normalerweise die Zeit einstellt, wurde in der Nullstellung gedreht – und damit eine Feder aufgezogen. Die großen Uhrenmanufakturen bieten auch heute noch Uhren mit Handaufzug an, aber eher aus nostalgischen Gründen. Die Automatikuhr hat den Handaufzug abgelöst – das Aufziehen konnte man sich dann sparen. Im Inneren der Automatikuhr sorgt der sogenannte Rotor für die Drehungen, und spannt damit die Feder. Der Rotor wird durch die Bewegung des Handgelenks in Bewegung gesetzt, und somit lädt man durch sein eigenes Gefuchtel sozusagen die Uhr auf – praktisch, oder? Blöderweise ist das Ganze aber auch mechanisch eine relativ komplexe Angelegenheit, wenn man sich das Bild mal genauer ansieht. Und um ein Automatikwerk zu entwerfen, braucht es nicht selten eine ganze Armada an Ingenieuren. Bevor das Quarzwerk, also das batteriebetriebene Uhrwerk also zur Welteroberung in den frühen siebziger Jahren ansetzte, war das Automatikwerk allerdings weitgehend alternativlos. Die ersten batteriebetriebenen Uhren gab es zwar schon viel früher, aber so richtig durchsetzen konnte sich das Quarzwerk erst mit dem Durchbruch von Casio. Seitdem ist es mehr oder weniger Standard in den Uhren der mittleren bis gehobenen Preisklasse, wobei es dort natürlich auch Ausnahmen gibt (zum Beispiel bieten Seiko, Invicta, Swatch und Nixon teilweise sehr gute Automatikuhren in der mittleren Preisklasse). Das macht die Wahl natürlich nicht viel leichter.

Das Automatikwerk

Welche Uhr ist denn jetzt die richtige Wahl für mich, und nach welchen Kriterien sollte ich auswählen? Grundsätzlich ist erst einmal zu sagen, dass ein Quarzwerk nicht schlechter ist als ein Automatikwerk – es kommt auf die Verwendung an. Ein Automatikwerk sollte spätestens nach 5 Jahren (besser sind 3 Jahre) einmal zur Revision gebracht werden. Das ist so in etwa wie bei der Inspektion beim Auto. Da viele mechanische Teile miteinander arbeiten, und auch dort viele unterschiedliche Schmieröle verwendet werden, sollten diese ab und an ausgetauscht werden. Denn sonst kann es irgendwann anfangen im Getriebe zu knirschen. Darüber hinaus hält die Federenergie einer Automatikuhr nicht ewig – meist ist nach 48 Stunden Schluss. Manche besonders komplexe Uhren können natürlich ein Vielfaches länger, allerdings auch zu Ihrem entsprechenden Preis. Was tun also, wenn man nicht jeden Tag eine Uhr trägt, oder die Automatikuhr nur zu bestimmten Anlässen tragen möchte? Jedes Mal vor dem Anlegen kräftig schütteln, um die Uhrzeit und Datum neu einzustellen? Wird auf Dauer ziemlich nervig. Deswegen gibt es sogenannte Uhrenbeweger, welche die Uhr in der Zwischenzeit in Bewegung halten. Das sorgt einerseits dafür, dass die Öle nicht verkleben, und alle Teile immer gut geschmiert bleiben, andererseits auch für eine gute Federspannung. Die Uhr läuft also weiter, und ist allzeit einsatzbereit.

Das Quarzwerk

Und genau hier fragt sich manch einer, was der ganze Zirkus denn soll. Da klingt die Quarzuhr doch vernünftiger, die muss alle zwei Jahre zum Batteriewechsel und tut auch sonst was sie soll. Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Andererseits ist dies eine ähnliche Frage, warum es überhaupt eine Uhr sein muss, und ob der Blick aufs Smartphone nicht auch reicht. Eine ziemliche Henne-Ei-Diskussion. Die Automatikuhr ist für die meisten mehr als nur eine Uhr, genauso wie eine Harley Davidson mehr als ein Mopped ist. Der Vergleich mag zwar hinken, aber der Kern der Aussage ist: Die Automatikuhr verleiht einerseits dem Träger ein anderes Gefühl, andererseits mag dadurch auch in manchen Kreisen die gegenseitige Achtung steigen (da geht es allerdings schon um die Psychologie bei der Uhrenauswahl, dem Thema widmen wir uns ein andermal). Und auch wenn zwei Uhrenliebhaber aufeinandertreffen, ist der Weg in ein Gespräch gleich ein ganz anderer. Das macht die Quarzuhr nicht schlechter: Sie erfüllt Ihren Zweck als Zeitmesser, Kleidungsstück, Teil des Outfits, Statements. Und gerade wer nicht gerne auf klassische Uhren zurückgreift, ist mit einer Quarzuhr besser bedient. Zum Beispiel stellt Michael Kors ausschließlich Quarzuhren her, da es hierbei klar um Designerstück geht. Gerne kauft man sich auch mal mehrere, zu jedem Outfit eins, die Uhr geht dabei ganz klar in die Kategorie Fashion. Da macht auch ein Quarzwerk mehr Sinn, weil die Anschaffungskosten ungleich niedriger sind.

Zusammenfassung

Um mal ein Resümee zu ziehen: Beide Werke erfüllen den Anspruch unterschiedlicher Gruppen, und beide haben ihre Daseinsberechtigung. Ein Quarzwerk ist auch nicht schlechter, und größtenteils sogar noch genauer als ein Automatikwerk. Von daher macht die Entscheidung nicht unbedingt das Werk, sondern vielmehr die Uhr aus. Wer also nach einer Modeuhr mit Statement im Fashionbereich sucht, ist wahrscheinlich mit einer Michael Kors oder einer Fossil Uhr mit Quarzwerk am besten beraten. Wer etwas für den Anzug sucht, und gerade im Vertrieb oder bei seriösen Meetings Wert auf Understatement legt, der sollte einen Blick auf die Automatikuhren wagen – und dabei am besten den Uhrenbeweger nicht vergessen.

Vielen Dank fürs Lesen! Weitere hilfreiche Tipps und Tricks rund um die Uhr gibt's bei uns im faszinationzeit Blog.


Nach oben